Presseinformation
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Schulte und Nachfolgerin Krauledat stellen in großer Einigkeit Programm für neue Saison zusammen
VON URSULA KOCH Minden (mt). Zwei Intendanten zeichnen verantwortlich für eine Theaterspielzeit - das ist ungewöhnlich und klingt nach Konfliktpotenzial. Nicht so in Minden. „Das war ganz einfach“, sagt der scheidende Theaterleiter Bertram Schulte und seine Nachfolgerin Andrea Krauledat bestätigt: „Wir liegen auf einer Linie“.
Da ist es kein Wunder, dass die Neu-Mindenerin, die zum 1. Juni aus dem Schwarzwald in den Weingarten gezogen ist, bereits den Termin für die Uraufführung, der zentralen und einzigen eigenen Produktion der kommenden Spielzeit im Mindener Stadttheater, bereits verinnerlicht hat. Am 23. Oktober erblickt Bernd Giesekings Schauspiel „Die Farbe des Wassers“ über die Arktis-Forschungsreise des in Minden geborenen Anthropologen Franz Boas und seines Dieners Wilhelm Weike das Bühnenlicht. Ursprünglich sollte das bereits zum 100-jährigen Bestehen des Stadttheaters gemeinsam mit dem Altonaer Theater realisiert werden, scheiterte aber aus organisatorischen Gründen, auch weil sich anfangs kein Regisseur dafür fand.
Diesen Posten besetzt nun Holger Müller-Brandes, gebürtiger Mindener, der bereits die Preußen-Oper „Friedrich und Katte“ und den „Fliegenden Holländer“ für die hiesige Bühne inszenierte. Das Bühnenbild entwirft der Architekt Hans-Peter Korth, die Kostüme Karen Friedrich-Kohlhagen (die Mindener waren ebenfalls an den beiden Opern beteiligt). „Ich bin sehr neugierig darauf“, sagt Krauledat. Es sei sehr schön, wenn Kräfte vor Ort gebündelt werden könnten und dann auch noch für ein Mindener Thema. Die Aufgabe sei jedoch nicht ohne Herausforderungen.
Dominique Horwitz spielt Charlotte von Mahlsdorf
Offiziell ist Andrea Krauledat ab dem 1. September Mindens erste Theaterintendantin. Allerdings hat ihr Schulte bereits die Gelegenheit gegeben, der nächsten Spielzeit auch ihren Stempel aufzudrücken. Die ehemalige Leiterin des Bremer Packhoftheaters hatte zuletzt zwei Jahre lang bei der Konzertdirektion Landgraf in Titisee gearbeitet. Der Name Landgraf steht für qualitätvolle Tourneetheaterproduktionen, die seit Jahren regelmäßig in Minden zu sehen sind. Schulte bat sie, für Minden ihre Lieblingsproduktionen von Landgraf auszuwählen. Sechs Perlen hat sie aus dem breiten Angebot herausgefiltert.
So wird mit „Yellow Hands“ (28. und 29. November) die deutsche Antwort auf die „Blue Man Group“ gastieren, in der fünf Musiker aus ihrer Passion für Musik und dem Spaß am Basteln und Tüfteln eine irrwitzige Multimedia-Performance schaffen. Außerdem bringt sie den renommierten Schauspieler Dominique Horwitz gleich für einige Tage nach Minden. Anlass sind die Wiederaufnahme-Proben und -Premiere für Torsten Fischer Inszenierung des Schauspiels „Ich mach ja doch was ich will“ (10. Januar) über das Leben der Charlotte von Mahlsdorf. Außerdem hat sie Yasmina Rezas „Der Gott des Gemetzels“ (22. Januar) ausgewählt und „Verbrennungen“ (25. Februar) von Wajdi Mouawad, ein Stück über Verlust, Krieg, Heimat, Entwurzelung, Flucht, Gewalt und Exil.
Unterhaltsamen Stoff hat Krauledat mit „Oscar und Felix - Ein seltsames Paar im 21. Jahrhundert“ (26. und 27. Februar) im Gepäck. Neil Simon hat seinen weltberühmten Broadway- und Filmhit (in dem Walter Matthau und Jack Lemmon glänzten) selbst überarbeitet und modernisiert. Und schließlich wählte die neue Intendantin noch eine Operette: „Der Opernball“ (3. April) von Viktor Léon und Heinrich von Waldberg, gespielt vom Jungen Theater aus Graz.
Eröffnet wird die Theatersaison am 16. September mit dem italienischen Liederabend „Pasta e Basta“ von Dietmar Löffler. In der Koproduktion mit den Hamburger Kammerspielen wird live auf der Bühne gekocht. Schultes Antwort auf die vielen TV-Kochshows ist in allen Abo-Reihen zu sehen. Kleiner Tipp: Auf keinen Fall hungrig hingehen. Erst nach der Vorstellung soll der italienische Abend im Theatercafé fortgesetzt werden.
In dem umfangreichen Angebot in sechs Abo-Reihen, zwei Kindertheater-Reihen und dem jungen Abo „Six Pack“ findet sich auch die Dramatisierung des mit dem Candide-Preis dekorierten Romans „Die Vermessung der Welt“ (28. März) von Daniel Kehlmann durch das Altonaer Theater, die Familie Flöz ist erneut mit „Infinita“ (22. Februar) zu Gast, die Neue Bühne Senftenberg kommt mit dem Lessing-Klassiker „Nathan der Weise“ (18. Januar) und die Bremer Shakespeare Company mit „Maß für Maß“ (17. März).
Im SixPack werden das Schauspiel „Abflug“, „Die Farbe des Wassers“, „Yellow Hands“, „Crayfish - Ein Stück Hip Hop“ sowie die Klassiker „Faust I“ und „Jugend ohne Gott“ von Ödon von Horváth geboten. Zusammen mit den anderen Abo-Reihen eine breite Auswahl, für die sich neue Abonnenten ab sofort per Post oder E-Mail einschreiben können.
Neben dem Abo-Angebot sind auch in der kommenden Spielzeit zahlreiche Sonderveranstaltungen enthalten sowie dieses Mal im März die vom KulturBüro OWL organisierten Kabarett-Tage. Die Preise hat das Theater auf Drängen der Stadtverwaltung um fünf Prozent erhöht.
Abo-Neueinschreibungen sind ab sofort per Post oder Mail (www.stadttheater-minden.de) möglich oder persönlich am 5. und 6. Juli bei Express-Tickets (Obermarktstr. 28-30).
© Mindener Tageblatt 12.6.2010 Texte und Fotos aus dem Mindener Tageblatt und/oder www.mt-online.de sind urheberrechtlich geschützt. Ihre Weiterverwendung ist nur mit Genehmigung der Chefredaktion gestattet.

